Das Avishai Cohen Trio stellt im Pavillon Hannover seine noch gar nicht erschienene neue CD vor.

Hannover. Freundliche Elektrizität. Naturwissenschaftler würden abstreiten, dass es so was überhaupt gibt. Aber die Besucher des Konzerts von Avishai Cohen am Mittwochabend im Pavillon können ihre Existenz bezeugen. Denn sie haben sie erlebt.

Von dem Moment an, in dem der israelische Jazz-Bassist Cohen die Bühne betritt, ist unendlich viel Energie zu spüren. Und Kraft. Und Ruhe. Emphase und Dynamik. Alles gleichzeitig, und alles durchzogen von einem Lächeln. Da schlagen Funken aus Tönen. Man kann sie sehen. Man muss sich nur trauen.

Das Avishai Cohen Trio umfasst, neben Cohen als einem der weltweit wichtigsten Bassisten, den aserbaidschanischen Piano-Hexenmeister Elchin Shirinov und den Trommelwirbelwind Noam David, ein Schulfreund von Cohen, den es auch nicht aus der Fassung bringt, wenn er vier verschiedene Rhythmen gleichzeitig spielen muss.

Cohen selbst, der lange mit Chick Corea gearbeitet hat, glänzt im Laufe des Abends zwar immer wieder durch seine stupende Virtuosität. Und sein Kontrabass steht natürlich ein bisschen mehr im Vordergrund, als es Kontrabässen normalerweise zugestanden wird. Aber vor allem baut Avishai Cohen mit seinem unprätentiösen und – ja: freundlichen Spiel einen Raum aus tiefen Tönen, in dem sich Shirinov und David sicher fühlen und loslassen können. Und das ganze Publikum im pickepackevollen Pavillon passt da auch noch mit hinein.

Taktlos mit Metronom

Das Trio stellt die neue CD „Arvoles“ vor, die eigentlich erst von Juni an zu haben ist. In Cohens Jazz sind Einflüsse aus der ganzen Welt („Arvoles“ ist ein Latino-Wort für „Bäume“) eingewoben, man hört außerdem filmmusikalische Anklänge und einmal sogar Passagen, die aus einer US- Vorstadtbaseballclubhymne stammen könnten.

Immer wieder gibt es frenetischen Zwischenapplaus. Für den Meister, der mitunter die größte Wirkung mit bescheiden in den Saal getupften Tönen erzielt. Für den pianissimofähigen Trommler David. Und für den Tastenkünstler Shirinov, der, als David eine streckenweise taktlose Probe seines Könnens ablegt, mit einem ebenso stoischen wie schnellen, ewig langen Pianolauf völlig entspannt den Rhythmus hält, als trüge er ein Metronom in sich. Fan-tas-tisch.

Zugabe: Cohen singt solo am Flügel von Alfonsina, die erst am Strand steht und dann das Meer trägt wie ein Kleid. So traurig. Und sooo schön.

Von Bert Strebe

Source: haz.de